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AfD am Nasenring von PEGIDA

6. März 2018 | Michael Mannheimer - Im Auftrag des VerfSchutzes: Bachmann macht sich an die Spaltung der AfD

6. März 2018 | Eine Betrachtung von Ester Seitz

Eine Fast-Volkspartei lässt sich von einem Kleinkriminellen am Nasenring durch die Manege führen: Peinlich, peinlich, AfD!

Manche Dramen sind so skurril, die „kannste dir nicht ausdenken“ - um mal im PEGIDA-Sprech zu bleiben. Wäre das alles nicht so ernst, man könnte laut auflachen über das desolate Bild, das die AfD da abgibt. Ich frage mich, ob dieses Theaterstück in mehreren Akten auch im Kanzleramt verfolgt wird – frei nach dem Motto: Das ist besser als jede Soap im Vorabendprogramm.

Der erste Akt:

Nach monatelangem, verzweifelten Anbiedern der Pegida-Führung an die AfD, gegründet im verzweifelten Versuch, nicht in der drohenden totalen Bedeutungslosigkeit zu versinken, ergreifen beide Bundesvorsitzende, Gauland und Meuthen, das Wort und erteilen einer Zusammenarbeit unter der PEGIDA-Führung des Drogen-, Erpresser- und Pornokönigs eine klare Absage.

„Wirklich ein Problem haben wir nur mit der Personalie Bachmann, mit diesem können wir uns keine Kooperation vorstellen, das wurzelt in der Person Bachmann“ (Meuthen)

„Eine Annäherung halte ich für möglich - deswegen wäre es klug von Pegida, wenn Herr Bachmann aus dem Schaufenster der Bewegung verschwindet.“ (Gauland)

„Für die AfD insgesamt ist Pegida natürlich nicht wichtig. (…) Das heißt, dass eine Zusammenarbeit mit Pegida nicht vorgesehen ist. Solange ein mehrfach, ich sage mal, verurteilter Straftäter wie Herr Bachmann an der Spitze steht, erübrigen sich auch jegliche Diskussionen über das Thema.“ (Pazderski)

Aufatmen bei den mit Gehirn und Verstand gesegneten Mitgliedern und Anhängern der AfD. So vernünftige Töne waren nach den Monaten des immer-neuen-Irrsinns ja kaum zu erwarten.

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Zweiter Akt

Auf dem Fuße folgte der zweite Akt, der von Bachmann-Kennern und klugen Analysten mehr als vorhersehbar war: Tief in seinem Narzissmus gekränkt, sprachlos über die fehlende Anerkennung seiner vermeintlichen Führungsrolle im deutschen Widerstand mährt sich Bachmann, gewohnt vulgär, in einem Video auf Facebook aus:

„Es werden wilde Statements abgegeben, ob die jetzt wirklich auch so von Dr. Alexander Gauland abgegeben wurden oder nicht, wissen wir noch nicht – es ist uns aber, mit Verlaub gesagt, Wurst. Es ist uns absolut Wurst, weil wir wissen seit 40 Monaten wofür wir auf die Straße gehen. Wir haben unser Programm zu einer Zeit entwickelt, als die AfD - noch unter Lucke - eine reine Anti-Euro-Partei war und Anti-Europa-Partei - und Stück für Stück wurden dann unsere Punkte von dieser Partei übernommen. Also ganz klare Ansage, auch in dem Fall dann natürlich an unsere Freunde bei der AfD – da wirklich vielleicht mal in sich zu gehen und zu überlegen, wer die ganze politische Vorfeldarbeit in den letzten drei Jahren und vier Monaten gemacht hat und dort einfach mal zu überlegen: Ach, sollte man jetzt oder sollte man nicht.“

„Who the f*ck is Pazdersdings...
... ahhhh, ja, da war ja was! Der Fanboy der mutmaßlichen Steuerhinterzieherin, Meineidschwörerin, Fördermittelbetrügerin, Wahl-Bescheißerin und Wählerbetrügerin Frau Kepetry... Warum wechselt dieses mutmaßliche U-Boot Pazdingens nicht einfach zur politisch komplett unbekannten/unbedeutenden P&P-Partei? Hör zu Pazirgendwas, ES GIBT PERSONALIEN bei PEGIDA, die ABSOLUT UNVERHANDELBAR SIND! Schreib es Dir hinter die U-Boot-Ohren…“

Aufatmen bei der mit Intelligenz ausgestatteten Gruppe der Patrioten. Nach solch unverschämten und dreisten Aussagen sollte doch nun wirklich der Letzte in der AfD verstehen, dass eine Kooperation mit Bachmann der größte anzunehmende Imageschaden ist. Sollte…

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Akt Nummer drei:

Am Wochenende soll ein AfD-Konvent aus führenden Funktionären über die „Streitfrage PEGIDA“ entscheiden. „Ein Meilenstein“ feiert Kümmeltürken-Poggenburg danach das Resultat.

„Der Konvent stellt entsprechend der geltenden Gesetzes- und Rechtslage fest, dass es AfD-Vertretern möglich ist, bei Veranstaltungen von Pegida (Dresden) eigene Positionen öffentlich zu vertreten.“, lautet der Beschluss.

Spätestens nachdem Alice Weidel den Beschluss auch noch als „wohlüberlegt“ bezeichnete, dürften jenen Vernünftigen, Rationalen, Vorausschauenden endgültig das Lachen vergangen sein. Vermutlich schwant hier schon dem einen oder anderen, dass mit diesem Beschluss ein Staudamm gebrochen wurde, dessen Wassermassen nie mehr eingefangen werden können.

Moment, Moment, meldet sich nun Bundessprecher Meuthen in einem eilig verfassten Rundbrief zu Wort, so war das auch wieder nicht gemeint.

„Liebe Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland,
am vergangenen Wochenende kam es in verschiedenen Presseveröffentlichungen zu einer fehlerhaften Interpretation des vom Konvent der Alternative für Deutschland am 3. März 2018 gefassten Beschlusses. Entgegen manchen anderslautenden Meldungen wurde allerdings weder eine "Kooperation" mit dem PEGIDA Förderverein e.V. beschlossen noch fand ein irgendwie gearteter "Schulterschluß" statt. Der Konventsbeschluss stellte lediglich die seit August 2016 bestehende Sachlage klar.
(…)
AfD-Mitglieder können auf Veranstaltungen der PEGIDA Dresden auftreten bzw. reden, sofern sie dabei keine AfD-Symbole verwenden.

Redeauftritte von PEGIDA-Vertretern bzw. PEGIDA-Symbolik auf AfD-Veranstaltungen sind weiterhin nicht zulässig.“
In dem Wissen, dass der Damm nun eh schon gebrochen, das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen und der Geist aus der Flasche gelassen wurde, ziehen sich die Vernünftigen und Rationalen auf die letzte Insel zurück, die ihnen noch bleibt: Spott und Sarkasmus.

Also, wie war das? AfD-Mitglieder können auftreten, aber nicht als AfD-Mitglieder, sondern als Privatpersonen und dürfen dabei keine AfD-Symbole verwenden. Aha. Wenn nun also ein Björn Höcke oder ein André Poggenburg bei PEGIDA in Dresden auftritt, dann als Privatpersonen und nicht als AfD-Vertreter und natürlich werden sie auch ganz bestimmt so wahrgenommen. Hat alles nichts mit der AfD zu tun. Bestechende Logik.

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Vierter Akt:

Bachmann ist der verzweifelte Versuch des Zurückstopfens des Geistes in die Flasche natürlich latte. Er hat sein Unterwanderungs-Ziel erreicht und brüstet sich in einem Live-Video am Sonntag Mittag genüsslich mit seinem „Erfolg“:

„Es hat sich ja viel getan seit gestern, Konventsbeschluss (Anm.: der AFD) - ihr habt es alle gehört. Das macht natürlich den Weg jetzt frei für eine ordentliche Zusammenarbeit und demzufolge natürlich auch - dann kommen große Sachen auf uns zu, so viel kann ich schon mal sagen.

Und werden die nächsten Wochen dann natürlich in die Offensive gehen, wir werden eine Reihe machen, die sich nennen wird: AFD Länder stellen sich vor. Wo einer nach dem anderen von den jeweiligen Landesvertretern der AfD dann bei uns bei PEGIDA in Dresden sprechen werden.

Es werden also interessante Wochen auf uns zu kommen – natürlich wird auch, so viel kann ich schon vorwegnehmen, unser Freund Björn (Anm.: Höcke) endlich dann in Dresden sprechen - in wenigen Wochen. Da freue ich mich natürlich ganz besonders drauf.“

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Fünfter Akt:

Spätestens am Montagmorgen scheint es Meuthen nun auch zu dämmern, welch ein Selbstläufer sich hier entwickelt. Er startet in einem eiligen JF-Interview einen letzten Versuch, diesen zu bremsen:

„Es gibt weder einen Schulterschluß noch eine Kooperation mit Pegida“, sagte Meuthen der JUNGEN FREIHEIT. „Das ist Unfug.“

„Ich gehe nicht davon aus, daß sich jemand von uns zu gemeinsamen Auftritten mit Herr Bachmann hinreißen läßt.“ Dafür habe Bachmann auch mit seinen jüngsten Anwürfen gegen AfD-Bundes-Vize Georg Pazderski gesorgt. Dessen Facebook-Posting von der vergangenen Woche sei „unterirdisch“ gewesen, kritisierte Meuthen. (Aus der JF am 5.3.2018)

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Letzter Akt:

Es kommt, wie’s kommen musste. Am 5.3.2018 spricht der erste hochrangige AfD-Funktionär bei PEGIDA. Bachmann lässt es sich natürlich nicht nehmen, in seiner Ankündigung die Aussagen der Bundesvorsitzenden der AfD zu verspotten: „Nun zurück zum Anfang – ich versprach eine Änderung im Schaufenster.“

Nach der Ankündigung, dass bald auch Björn Höcke als „Vertreter der AfD Thüringen“ auf der PEGIDA-Bühne zu begrüßen sei und unterbrochen von üblichen infantilen „Höcke, Höcke“ – Rufen, begrüßt er „den frisch gekürten AfD-Landesvorsitzenden Jörg Urban“ auf der Bühne.

Derart neutral angekündigt ist es natürlich logisch, dass Urban hier als eine „Privatperson“ wahrgenommen wird, die „ihre eigenen Positionen vertritt“.

So sieht es natürlich auch die Presse, welche sofort bundesweit verkündet: „Zusammenschluss von AfD und PEGIDA erfolgt, hochrangiger AfD Funktionär spricht bei Pegida Dresden.“

Oder, weniger schmeichelhaft: „Der Igittfaktor gilt nicht mehr: Auf der Pegida-Bühne in Dresden spricht ein AfD-Landeschef – und die Bundesführung kann jetzt nichts mehr dagegen tun.“ (ZEIT)

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Fazit:

Leider muss man der ZEIT in diesem Fall vollumfänglich Recht geben: Die Bundesführung kann nichts mehr dagegen tun. In der öffentlichen Wahrnehmung haben sich ein Serienkrimineller und die AfD verbündet. Viel schlimmer jedoch, durch den einwöchentlichen Eiertanz, das Relativieren und Dementieren, hat sich die AfD geradezu filmreif von einer einzelnen Person am Nasenring durch die Manege führen lassen. Dieses Drama in sechs Akten offenbart mehr von der inneren Zerrissenheit und maximalen Unterwanderung der AfD, als der Führung lieb sein sollte.

Wer sich von einer derart schwachen, charakterlosen, primitiven Persönlichkeit öffentlich vorführen lässt und nicht imstande ist, selbiges zu verhindern, sollte über 30%-Träume und den Begriff „Volkspartei“ nicht länger nachdenken.

Die Presse hat jenen Akt des Vorführens dankbar aufgenommen und bundesweit verbreitet. Das Potential der AfD, Millionen Wähler zu binden, wurde auf dem Altar einer Sekte geopfert, die völlig ziel- und konzeptlos etwa 2.000 Menschen wöchentlich am Nasenring durch Dresden führt.

Einen schlechteren Tausch hätte die AfD kaum machen können.